Andrea Schulte-Krauss: Auch mal was zurückgeben

Mit einer Studienfachkombination Politikwissenschaft, Soziologie, Philosophie und Geschichte kann frau vieles werden: Taxifahrerin zum Beispiel. Oder Politikerin.

Zum Glück hatte ich aber nach meinem Abitur bereits vorgebaut, um einem soliden Broterwerb nachgehen zu können. Neben den genannten eher brotlosen Studiengängen kann ich auf eine Ausbildung in einer Steuerkanzlei und einige IHK-Abschlüsse wie zum Beispiel Personalkauffrau zurückgreifen. Damit gerüstet konnte und kann ich mich von finanziellen Notwendigkeiten unbelastet Dingen widmen, wie zum Beispiel Parteiarbeit und Kommunalpolitik. Beides verschafft zwar viel Kurzweil, aber leider keine Reichtümer.

Genau gesagt verdiene ich die Brötchen für mein Pferd, die Katzen und die Hühner im Wissenschaftsmanagement der LMU, aktuell in einem Sonderforschungsbereich zur Entwicklung des Lebens. Dafür sitze ich im Departement für Physik und kann viele Vorurteile, vor allem über theoretische Physiker*innen, bestätigen.

Wir sind nämlich die Coolen: Die Experimental-Physiker*innen. Also, meine Wissenschaftler*innen. Ich bin die Coole im Büro und Herrscherin über die Finanzen. 😉

Wenn ich nicht an der Uni bin oder in verschiedensten parlamentarischen und politischen Sitzungen, bin ich am liebsten in Garten, Küche und Natur. In der Natur bedeutet vor allem Bergwandern und Reiten. Das brauche ich als Ausgleich zu dem sozial teilweise fordernden politischen Engagement und genieße es, meinen Gedanken nachhängen zu können. Garten und vor allem Küche sind eine hervorragende Gelegenheit, etwas Praktisches und Produktives zu tun, statt nur mit Zahlen zu arbeiten oder zu diskutieren.

Politisch bin ich mit großer Freude Gemeinderätin in Krailling und Kreisrätin in Starnberg. Ersteres seit 2014, letzteres frisch dieses Jahr gewählt. Darüber hinaus bin ich Sprecherin des Ortsverbands Krailling und eben, daher dieser Text, Beisitzerin im Kreisverband Starnberg.

Der/die geneigte Leser*in könnte nun fragen, warum ich etwas mache, wofür ich mich politisch engagiere, wenn ich dafür Ausgleich brauche und es auch noch finanziell subventionieren muss. Ehrlich gesagt: Manchmal frage ich mich das auch. Aber dann sehe ich, wie viel Glück ich in meinem Leben gehabt habe. Ich bin ich sicheren Verhältnissen aufgewachsen, durfte und darf eine noch relativ intakte Natur genießen, konnte alle Bildungsangebote von Gymnasium über berufsbegleitende Fortbildungen bis zur akademischen Bildung nutzen und ich kenne noch den Lauf der Jahreszeiten, wie er in unseren Breitengraden normal war.

Und ich sehe, dass es viel zu viele Menschen gibt, die vieles von dem nicht haben. Ich sehe, dass gerade den nachfolgenden Generationen die Zukunft im wahrsten Sinne des Wortes verbaut wird. Und mir ist klar, dass es nur fair ist, etwas zurückzugeben.

Das ist meine Motivation für die Parteiarbeit, die Kommunalpolitik, aber auch für meine Tätigkeit als Schöffenrichterin und als Helferin bei der Essensausgabe der Caritas München.

Ich freue mich sehr über das mir erneut entgegengebrachte Vertrauen der Kreisversammlung und auf die kommenden Jahre meiner Amtszeit.

Andrea Schulte-Krauss

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